Freitag, 6. Februar 2015

"Stoner" von John Williams

Heute stelle ich Euch den Roman

von John Williams
ungekürzt gelesen von
Burghart Klaußner

als mein erstes Hör-Highlight des Jahres vor.

Stoner wächst auf der Farm seiner Eltern in Missouri  auf. Er lernt, schon früh, auf der Farm hart mit zu arbeiten, um die Eltern etwas zu entlasten. Es sind schweigsame Eltern, denen das Zeigen von Gemütsbewegungen fremd ist. Sprache wird zur Vermittlung von Informationen genutzt. 
Sie schicken ihren Sohn zu einem Landwirtschaftsstudium nach Columbia und erhoffen sich davon, dass ihr Sohn in einigen Jahren mit neuen Erkenntnissen zum Ackerbau, zurückkehren wird.

Es kommt anders, denn Stoner entdeckt seine Liebe zur englischen Literatur. 
Als man ihm die Möglichkeit aufzeigt, an der Uni zu bleiben, zu promovieren und zu habilitieren, entscheidet er sich für diesen Weg. An dieser Uni, an der er sein Studium begann, wird zu seiner geistigen, wie emotionalen Heimat und er wird sie sein Arbeitsleben lang nicht mehr verlassen.

Dieser junge Mann, seiner Natur nach ein Einzelgänger, gewinnt in Studentenzeiten zwei Freunde für's Leben. 
Stoner, der nur auf seine Einkünfte als Dozent angewiesen ist, verliebt sich Knall auf Fall, in Edith und heiratet sie. Da Edith eine komplizierte Persönlichkeit ist, gestaltet sich die Ehe schwierig. Ein Kind soll alles retten und so kommt Grace zur Welt.

An der Uni tritt ein neuer Dekan seine Stellung an. Es ist Lomax, ein körperbehinderter Mann, der mit Stoner, warum auch immer, von Anfang an ein Problem hat. Die erste, und für das weitere Leben Stoners entscheidende, Auseinandersetzung, entwickelt sich um einen Doktoranden von Lomax.
An diesem, ebenfalls körperbehinderten, Walker, entwickelt sich ein Machtkampf, dessen Ausgang von mir hier nicht beschrieben wird.

Irgendwann lernt Stoner die Doktorandin Katherine kennen und lieben. Diese Liebe wird zum tiefen emotionalen Erlebnis für Stoner.

Die Jahre vergehen, Stoner liegt auf dem Sterbebett und denkt über sein Leben nach. Hat er alles richtig gemacht? 

Meine Meinung zu Buch:
Es treffen zwei Menschen aufeinander, die beide nicht für die Ehe geschaffen sind. Ein Kind soll die Beziehung retten, was natürlich nicht funktioniert. 
Stoner, ein gradliniger Mensch, will sich immer treu bleiben. Das kann man machen, wenn es das Ziel ist, immer so bleiben zu wollen, wie man ist. Die Alternative wäre, Gradlinigkeit da zu zeigen, wo es wichtig ist, um sich im Spiegel ansehen zu können. Es ist aber auch wichtig, sich im Leben weiter zu entwickeln und somit auch zu anderen Entscheidungen zu gelangen.
Einerseits bleibt Stoner, komme was wolle, bei seiner Meinung und zeigt seine Stirn. Andererseits trifft er keine tief greifenden Entscheidungen, wenn es Edith oder Katherine angeht. 
Sein Freund Finch baut ihm lebenslang viele diplomatische Brücken und versucht zu vermitteln, wo er kann.

Was blieb an Stoners Lebensende übrig? 
Er ist seinen Weg gegangen. Er ist sich treu geblieben. Stimmt!
Aber, hat er sich und seine Lieben glücklich gemacht?
Hat er für sein Kind ein gutes Vorbild vorgelebt?
Wem hat seine Gradlinigkeit geholfen, außer ihm? 

Dieser Roman beschreibt so viele Situationen, die jeder Leser oder Hörer  sicherlich ähnlich im Umfeld schon erlebt hat. Wie geht man damit um? Wie viele Möglichkeiten gibt es für Problemlösungen und für welche entscheidet man sich, je nach eigenem Charakter.
Ist es gut, jedem Körperbehinderten Menschen den Mitgefühlsvorteil einzuräumen oder sollte man sie genau so nach ihrer Persönlichkeit bewerten, wie man das auch mit Menschen ohne Handicap tut?

Dieser Roman hat mich emotional stark angesprochen. Ich war wütend auf Lomax. Gelegentlich wollte ich Stoner helfen oder ihn mal rütteln, für eine gute Entscheidung. Aber was ist das, eine gute Entscheidung - und für wen?

Viele Fragen, über die ich noch mal nachdenken werde, bevor ich mich einem neuen Hör-Buch zuwenden werde.

Diese Buch kann ich sehr empfehlen. 
Als Buch, als auch diese Hörbuchvariante, ungekürzt gelesen.

Kommentare:

  1. Liebe Renate,

    ja, ich kann alles nachfühlen was du schreibst. Ich war auch einige Male wütend in diesem Buch und am Ende bleibt die Frage, hat er es nicht doch richtig gemacht? Ich schwankte zwischen Wut, Mitleid, Verständnis hin und her und weiß nicht, ob William sehr klug oder sehr dumm gehandelt hat. Wann ist ein Leben lebenswert gewesen?
    Ein meisterhaftes Stück der Literatur ist dem Autor hier gelungen!
    GlG vom monerl

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  2. Vielen Dank für Deinen Kommentar, Monerl.
    Ich mag solche Bücher, die mich zum nachdenken anregen, sehr gerne.
    L.G. Renate

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Vielen Dank für den Kommentar!
Ich werde ihn nach Überprüfung zeitnah freischalten.